Experten sehen die Turbulenzen an den Finanzmärkten mit großen Sorgen. Immer dann, wenn das Modell der Gleichgewichtspreisbildung nicht mehr funktionstüchtig ist, werden Staateingriffe verlangt. Josef Ackermann, Vorstandschef der Deutschen Bank glaubt nicht mehr an die Selbstheilungskräfte der Finanzkräfte – „Die Regierungen müssen Einfluss nehmen auf die Märkte“, “die Versorgung mit Liquidität als Maßnahme reiche nicht aus“. Denn “Die Kapitalspritzen sind nötig, aber nicht ausreichend, um Vertrauen wieder herzustellen”.
Ackermann ruft nach dem Staat
March 18, 2008 · 7 Comments
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7 responses so far ↓
ephemeridenzeit // March 18, 2008 at 5:00 pm |
Liebe Frau Metzler,
was wollen Sie uns mit diesem Blogeintrag sagen? Immerhin fehlt bei der Forderung (sic!) des Herrn Ackermann nach staatlicher Hilfe der Hinweis, dass genau er und andere Eliten ansonsten immer das möglichst reine Spiel der freien Marktkräfte gepredigt haben. Nachdem man bisher so wunderbar an den Risiken der Spekulationen verdienen konnte (Gratifikationssumme der Londoner Investmentbanker belief sich in 2007 auf über 10 Milliarden Euro) , will man jetzt die Verluste sozialisiert sehen. Das aber ist – gelinde gesagt – eine Frechheit! Hilfe vom Staat (= Steuergelder) und von den Notenbanken (= Inflation) darf in der Logik der Banker nun doch eigentlich nur gewährt werden, wenn die Leistungen mit Zins und Zinseszins zurückgezahlt werden.
Ansonsten kann man nur sagen: Pech gehabt. Die freien Marktkräfte wirken eben nicht nur beim Kleinverdiener, sondern auch bei Banken. Und die dürfen sich dann den Regeln des selbst geschaffenen und so sehr propagierten Systems dann auch nicht entziehen.
Die Ackermänner und Co können sich ja mit ver volkswirtschaftlichen Weisheit trösten, dass Marktbereinigungen ja auch immer so etwas wie Selbstheilungskräfte induzieren.
bT!NA // March 18, 2008 at 6:30 pm |
Beim genauen Lesen meines posts wird man feststellen, dass der Inhalt dessen (neben zwei einleitenden Sätzen) drei Zitate des Josef Ackermann darstellen, welche mit den jeweiligen Quellen dokumentiert sind.
Es ist gerade eben der Finanzmarkt, der den Realitätsbezug des ökonomischen Modells der Gleichgewichtspreisbildung darstellt. Doch hier ruft ein Verfechter dieser Theorie nach Eingriffen von außen. *)
“Pech gehabt“!??? Es geht doch nicht darum, wer die Rente einstreicht. Nein! Es geht um die globalen Märkte, die aus den Fugen geraten.
Offensichtlich ist es fünf vor Zwölf. Die Situation auf den Finanzmärkten scheint derart prekär, dass es offensichtlich schon so weit ist, dass selbst eine weitere Diskontsatzsenkung der Fed die negativen Folgen nicht mehr abfedern kann. Und US-Präsident George W. Bush muss beschwichtigende Reden halten, dass die USA “die Situation im Griff” hätte, wenn die Fed Notmaßnahmen ergreift – während die Rohstoffpreise weiter ungebremst ins Unermeßliche steigen…
Was ich sagen möchte? Läuten bei Ihnen immer noch keine Alarmglocken?
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*) Bin davon ausgegangen, dass man weiß, dass Ackermann das freie Spiel der Kräfte verfechtet.
trackback - SELBSTHEILUNGSKRAEFTE - anmut und demut // March 19, 2008 at 12:58 pm |
[...] 5 vor 12 – Auch ich habe in meinem Blog Josef Ackermann zititiert.
Als Ökonomin erstaunt es mich überhaupt nicht, dass jener Banker nun nach Vater Staat ruft.
Für mich ist dies ein absolutes Alarmsignal und es läuten bei mir sämtliche Glocken, [...]
ephemeridenzeit // March 19, 2008 at 8:56 pm |
Liebe Frau Metzler,
Sie haben sicherlich in Ihren Einschätzungen recht und liegen mit der Beurteilung der Lage richtig. Doch mir erscheinen die Worte ‘Alarmsignal’ und ‘Glockengeläut’ eben zu sehr im Duktus derjenigen, welche nun mit ein wenig Panikstimmung die Bereitschaft schüren wollen, dass sich Steuersäckle öffnen und Diskontsätze ins Nirwana verflüchtigen. Ich glaube, der deutsche Bundesbank-Präsident liegt nicht falsch, wenn er nun erst einmal die Verantwortung – und damit auch die Handlungsverantwortung – von den Finanzinstituten einfordert. Ein paar Monate wenigstens sollte man sich zurücklehnen dürfen, vielleicht währenddessen die Berichtsehrlichkeit der Banken anmahnen und daran erinnern, dass sie sonst ihr Vertrauen nicht so schnell wieder gewinnen – und dann haben sich einige Probleme ohnehin erledigt. Und die nächste Generation ‘Spekulationsblase’ wird etwas schwächer ausfallen – weil die handelnden Personen sich erinnern können, dass ihre Fehler und ihre Gier nicht immer folgenlos bleiben.
PS Einmal abgesehen davon, dass nach jahrzehntelangem Außenhandelsdefizit der USA, riesigen Irakkriegskosten (und damit Staatsverschuldung) und kreditfinanziertem Privatkonsum vieler Amerikaner eines Tages ohnehin eine noch viel größere Rechnung präsentiert wird. Denn als Konjunkturmotor der Weltwirtschaft eignet sich ein solch hoffnungslos überschuldetes Gemein/Wirtschaftswesen wie das der USA auf Dauer nicht mehr. Wirtschaftskraft und Vermögen (als Sicherheit) wurden spätestens während der Bush-Administration ziemlich strapaziös verfrühstückt, irgendwann ist die Substanz aufgebraucht und der Offenbarungseid einer ganzen Volkswirtschaft nahe. In den 90er Jahren hat Argentinien das ja schön vorgemacht – allerdings zugegebenerweise ohne entsprechend global-krisenhafte Konsequenzen.
bT!NA // March 19, 2008 at 9:14 pm |
@ephemeridenzeit
Danke für Ihre aktiven comments!
Möchte ergänzend noch ein paar revidierende Ausführungen des Josef Ackermann anfügen, welche ich in einem heutigen Interview der faz mit dem Titel „Ich habe keine Zweifel an der Stabilität des Banksystems“ gefunden habe:
[...]“Verstehen Sie, dass viele Bürger meinen: Die Gewinne werden privatisiert, die Verluste aber sozialisiert?”
“Darum geht es überhaupt nicht. Es geht jetzt primär um die Frage der Stabilisierung, damit die sozialen Kosten nicht noch größer werden. Das ist der entscheidende Punkt. Die Banken haben und werden natürlich ihren Beitrag leisten.” [...]
Habe in meinem post vorwiegend die Auswirkungen auf makro- und weniger der mikroönomischen Ebene betrachtet. Doch besonders Ihr Postskriptum enthält Fakten, die sicherlich nicht von der Hand zu weisen sind!
ben_ // March 19, 2008 at 9:39 pm |
Liebe bT!NA vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Leider frißt derzeit meine Arbeit jene Zeit, die ich sonst zum Bloglesen verwende und so freue ich mich besonders, über diesen Weg noch keine wirklich erhellenden Beiträge gefunden zu haben, gerade weil ich ja als Unökonom der ich bin nur rudimentärstes Verständnis von Finanzmärkten habe, dass ich hier deutlich ergänzen konnte.
Danke
Pingback - IIF zieht Kodex in Erwägung // April 9, 2008 at 5:44 pm |
[...] internationale Banken suchen aktiv einen Ausweg aus der seit acht Monaten andauernden Finanzkrise. Josef Ackermann, IIF-Präsident und Deutsche-Bank-Chef kündigte heute in Frankfurt an, dass die Banken noch in [...]