BofingerPeter Bofinger, einer der fünf “Wirtschaftsweisen“, fordert angesichts der der Finanz- und Bankenkrise eine Änderung der Kreditvergabe. Mehr als bisher müsse nun der Staat dafür sorgen, dass sich alle Beteiligten an die Regeln halten. «Nur so werden die Finanzmärkte wieder sicherer.» Verwundert zeigte er sich darüber, dass gerade Top-Banker nach mehr Staat rufen würden; in Bankenkreisen hätten man schließlich «alles getan, um staatliche Regeln zu umgehen». ………………..

Als klassischer Keynesianer vertritt der Wirtschaftswissenschaftler Bofinger in Deutschland eine Minderheitenposition. Bofinger gilt als der führende Vertreter der nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik in Deutschland. Folglich war Bofinger auch einer der wenigen deutschen Ökonomen, die sich gegen die Kernforderungen der Agenda 2010 und die Hartz-Reformen aussprachen. Er sah darin zwei Gefahren: erstens die einer zusätzlichen Schwächung der Binnennachfrage und zweitens die einer Deflation mit deren möglichen Langzeitfolgen.

Laut Bofinger befände sich augenblicklich das internationale Finanzsystem in der schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Für die deutsche Konjunktur gäbe es klare Abwärtsrisiken. Der Wirtschaftsweise betonte allerdings, dass die Angst um Ersparnisse unbegründet sei: “Die kranken Banken werden rund um die Uhr von den staatlichen Notenbanken betreut, ähnlich wie die Patienten auf der Intensivstation.” Nofalls helfe der Staat in den schlimmsten Fällen, wie jetzt bei der Mittelstandsbank IKB, zusätzlich mit Steuergeldern aus.

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Momentan sieht Bolfinger eine dritte große Gefahr für die deutsche Wirtschaft: die massive Aufwertung des Euro. Die Aufwertung der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar hätte seit dem Herbst rund zehn Prozent betragen. “Zehn Prozent Aufwertung bedeuten für Deutschland einen halben Prozentpunkt weniger Wachstum“, so Bofinger.