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update – June 25, 2008 at 9:11 pm
Angebotsseite: Gemäß aktuellster dpa-Meldung sind die Ölpreise nach überraschend deutlich gestiegenen US-Rohöllagerbeständen merklich gesunken. Ein Barrel der US- Referenzsorte West Texas Intermediate kostete 133,04 Dollar, im Vergleich zum gestrigen Handelsschluss sind dies 3,94 Dollar weniger. Der sinkende Ölpreis unterstützt den DAX, der von wieder nachgebenden Ölnotierungen profitiert. Der DAX schloss mit einem Plus von 1,25 Prozent auf 6617,84 Zähler.

Die Belastungsprobe für die deutsche Wirtschaft steigt angesichts der ins unermesslich boomenden Ölpreise. Der Ifo-Geschäftsklimaindex zeigt dies ganz deutlich, denn dieser ist seit Dezember 2005 jetzt, im Juni 2008, auf den niedrigsten Wert gesunken. Dieser Anzeiger ist ein Barometer für das Vertrauen, welches Mangager in die Konjunktur setzen. Das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung gab an, dass der Zähler von 103,5 im Mai auf 101,3 Punkte nachgegeben hatte. „Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftssituation eindeutig weniger günstig als im Vormonat, und ihr Ausblick auf das kommende halbe Jahr fällt skeptischer aus. Die stark gestiegenen Ölpreise belasten offensichtlich zunehmend die deutsche Wirtschaft.“ Zitat des Ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn. ..

Selbst nach dem Krisengipfel in Dschidda, bei welchem der weltweit größte Erdölexporteur Saudi-Arabien am Wochenende eine Erhöhung seiner Fördermenge zugesagt hatte, ist am Montag der Ölpreis erneut gestiegen. Nach Ansicht von Experten treiben Konflikte in anderen erdölproduzierenden Ländern den Preis ebenso weiter in die Höhe wie Spekulationen an den Finanzmärkten. Woran liegt es nun, dass der Ölpreis weiter ansteigt?

Betrachten wir die Angebotsseite: Wie sieht es eigentlich wirklich aus mit den Erdölvorkommen? Wie lange werden sie noch ausreichen? Wann wird Erdöl knapp? Bereits in den 50er Jahren kursierte das Gerücht, dass die Vorräte an Erdöl noch etwa 40 Jahre reichen könnten, danach sollten sie erschöpft sein – im selben Tenor wiederholten sich die Aussagen in den 70er Jahren. Und heute? Nun heute reichen die Vorkommen wohl immer noch (nur) 40 Jahre lang. Erdöl ist ein endliches, knappes Gut – ein interessantes Thema der Ökonomen – es wird wohl nie ausgehen, denn der Preis wird dementsprechend ansteigen. Doch gefährlich dabei wird der Angebotsschock, der daraus entstehen kann, denn Ölpreissteigerungen reduzieren die Produktionskapazitäten der Volkswirtschaften. 1973/74 stürzten Sparpolitiken gepaart mit gewaltigen Ölpreissteigerungen die Volkswirtschaft der USA in eine tiefe Rezession, der zu schnelle Aufschwung daraus (1976-79) erwuchs in einem Anwachsen der Inflation. Danach kehrten die nochmals steigenden Ölpreise 1979 , die Inflation und die Sparpolitiken 1980 bis 82 nochmals in eine Rezession. Damit war ein ganzer Konjunkturzyklus vollbracht.

Nachfrageseitig steigt weltweit ebenso der Bedarf nach Rohöl. Doch der Hauptgrund des unaufhörlichen Anstieges von Öl liegt wohl im Finanzmarkt, also der Börsenspekulation.

Denn das “schwarze Gold” wird auf den Börsenplätzen wie eine ganz gewöhnliche Aktie gehandelt. Wenn man das Chart und den Kursverlauf des Wertes von BRENT CRUDE OIL betrachtet, ist das Ziel dieser Spekulation ganz eindeutig: die Rendite muss maximiert werden!

Es ist erkennbar, dass der Kurs des Wertes seit 2004 lediglich von September 2006 bis März 2007 unter den Durchschnitt der 200-Tage-Linie rutschte.
Die Ölmultis und die erdölverarbeitenden Konzerne haben ein großes Interesse am Anstieg des Ölpreises. Je teurer das Barrel wird, umso mehr können sie früher oder später an die Großabnehmer und Endkunden weiterreichen. Der Verbraucher befindet sich ganz am Ende der Verarbeitungskette; er ist abhängig. In der Politik sucht man nach Alternativen und verpackt dies richtig im Hinblick auf die Wahlen: Nachdem der Ölgipfel wirkungslos verpufft ist, setzt die CDU auf den Ausbau der erneuerbaren Energien, die SPD auf Einspartipps und finanzielle Hilfen. Ein Patentrezept jedoch gibt es nicht.