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Eklat – starkes Aufsehen erregender Vorfall oder spricht hier mal endlich einer klare Worte? Nun, es ist doch Wahres daran, dass der intellektuelle Literatur- kritiker Marcel Reich-Ranicki in einer geistig anderen “Liga spielt”, als die vielen vor ihm in der Verleihungsfeier geehrten Preisträger. ………..

An und für sich sollte dem deutschen Publizist für sein Lebenswerk und seine Sendung Das Literarische Quartett am 11. Oktober 2008 der Deutsche Fernsehpreis verliehen werden. Standingovations. Dann kam der Geehrte, geführt von Thomas Gottschalk, aufs Podium. Nachdem der 88-jährige sämtliche Ehrungen und Auszeichnungen aufzählte, die er im Laufe seines Lebens erhielt und für die er sich, wie er sagte, keine Schwierigkeiten hatte, zu danken, sagte er wörtlich

«Ich gehöre nicht in die Reihe … dieser Preisgekrönten!»

Bei Beginn seiner Rede bei der Gala in Köln (ZDF-Sendung “Der deutsche Fernsehpreis”) lauschten die Zuschauer mit Spannung und hielten die Ablehnung Reich-Ranickis für eine abgesprochene Showeinlage, doch ziemlich schnell wurde klar, dass der Literaturpapst Tacheles mit den Intendanten des Deutschen Fernsehens redete. Nach einem kleinen Lob auf Arte und so manche vergangene 3SAT-Sendungen, sprach er, dass er nicht wußte, was er da erleben würde,

«… meist kommen schwache Sachen, aber nicht der Blödsinn, den wir hier gesehen haben!».

Eher gezwungenes Lachen vernahm man auf den versteinerten Gesichtern der Zuschauer, nachdem Reich-Ranicki nach der Ablehnung bemerkte,

«…ich kann nur diesen Gegenstand von mir werfen, jemandem vor die Füße werfen … finde es schlimm, dass ich hier viele Stunden das erleben mußte!».

Ebenfalls etwas überrascht von dieser heftigen Reaktion bot der Moderator Thomas Gottschalk, der durch die Gala führte, einen galanten Rettungsversuch dem Aufgebrausten: ein Güteangebot durch eine einstündige Diskussionsrunde, in Zusammenarbeit mit den Intendanten ARD, ZDF, RTL und Sat.,1 in der über alles diskutiert wird, worüber man im Fernsehen nicht mehr redet, also Bildung, Lesen, Erziehung,

«und Literatur!», ergänzte Reich-Ranicki und nahm etwas skeptisch das Angebot an.

So lange würde man den Preis in die Ecke stellen. Nach einer “kurzen, wahren Geschichte” zum Abschluss, bot Marcel Reich-Ranicki Thomas Gottschalk das “Du” an – die Erleichterung im Publikum über diesen Ausgang war deutlich zu spüren.