lernt man erst dann
zu schätzen, wenn
Sitzen eine Qual ist.

Rückenschmerzen hatte ich schon ewig.
So wie viele, ist ja eine Volkskrankheit, das hat zumindest meine Rückenrecherche ergeben. Allerdings hat mich dieser Rücken noch nie für mehr als zwei Wochen so richtig außer Gefecht gesetzt! Ein Bandscheibenschaden. Aber alles der Reihe nach.

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Rien ne va plus!  Nichts geht mehr!
Oder wie heißt das in der Spielbank beim Französischen Roulette?

Am 12. Januar 2012 begann meine eingeschränkte Beweglichkeit: Eine plötzliche Blockade im Bereich der Lendenwirbelsäule mit dem Effekt, dass ich nur noch stehen, gehen und liegen konnte. Sitzen war nahezu unmöglich, nur unter massiven Schmerzen. Ein Nach-Vorne-Beugen ebenso.
Schrecklich, ich bin (wie) behindert, benötige Hilfe beim Hosen-, Socken- und Schuheanziehen!
Gleich zwei Tage nach dem Röntgen bekomme ich einen Blitz-Termin zum bildgebenden Verfahren MRT (= Magnet Resonanz Tomographie, I = imaging).

MRI- / MRT – Diagnose
LWK4/5: Osteochondrosis Modic Typ II.
Mediane Diskusprotrusion,
rezessale Tangierung der Nervenwurzel L5 beidseits.

Der Arzt hat mir erklärt, dass ich eine Bandscheibenvorwölbung (Protrusion) zwischen dem Lendenwirbel Nr. 4 und Nr. 5 habe, also zum Glück noch keinen Riss des fibrösen Ringes. Eine Osteochondrose ist eine durch Abnutzung der Bandscheiben bedingte knöcherne Veränderung im Bereich der Wirbelsäule, sie wird in drei Typen eingeteilt, je nach Fortschreiten.

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Therapie
Eine Kombination aus Medikamenten und Physiotherapie.

Medikation: Die Schmerzmittel, entzündungshemmenden Medikamente und muskelentspannenden Präparate sollen den Heilungsprozess fördern. Nur ein einigermaßen schmerzfreier Körper kann von einer Physiotherapie profitieren.
Habe noch nie eine so hohe Dosis an Medis eingenommen – doch der Effekt ist verblüffend, man kann den Schmerz zeitenweise fast ausschalten, was für ein angenehmer Zustand nach Tagen Dauerschmerz! Man könnte sich daran gewöhnen und so zu einem “Medi-Junkie” mutieren. Um das zu verhindern bin ich dabei, peu-à-peu die Dosis zu reduzieren.
Physiotherapie: Die erste Einheit wurde am 27. Januar gestartet und soll über die nächsten Wochen zwei Mal wöchentlich fortgesetzt werden.
Ziel dabei ist die Stärkung der Rückenmuskeln und -Sehnen sowie die Steigerung der Belastung des Rückens. Die Rekonvaleszenz des Rückens, zur Ausheilung des Bandscheibenschadens dauert je nach Schweregrad bis zu 18 Monaten. Um langfristig schmerzfrei und beweglich zu bleiben, sollte man im Anschluss an die Therapie auch zuhause täglich Rückengymnastik-Übungen machen und vor allem im Alltag penibel darauf achten, dass man bandscheibenschonende Bewegungsabläufe befolgt.

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Dass ich nicht immer schonend mit meinem Rücken umgegangen bin, das ist mir klar – wie oft hat’s gezwickt & gezwackt? Leider übergeht man im Alltag diese kleinen, warnenden Körpersignale viel zu oft. Doch diesmal war’s mir eine Lehre! Und ich hatte Glück im Unglück, denn ein Prolaps wurde mir erspart. Ein lieber Freund, der selbst Mediziner ist, hat mir gesagt, dass man trotz Osteochondrose  gut alt werden kann, wenn auch nicht immer ganz ohne Schmerzmittel. Und eine Protrusion bildet sich unter geeigneter Therapie oft wieder zurück, bzw. «organisiert» sich.

Werde alle Hinweise der Mediziner beherzigen und die Sache aktiv in die Hand nehmen. Für den Alltag ist der erste Schritt mit einem Stehpult gemacht, so kann ich tagsüber wechseln zwischen stehen, liegen und sitzen. Zusätzlich hat mir meine “MANNschaft” in der Küche einen Klapptisch montiert! Und meine neue Rückenbandage stützt und hält mich gerade, obendrein gibt sie schön warm!

Inzwischen ist kurzes Sitzen auch schon wieder möglich. Sobald es unangenehm wird, wechsle ich sofort ins Stehen. Überhaupt wird mir erst jetzt bewußt, was der Rücken beim Sitzen alles aushalten muss und wie angenehm es auch für einen gesunden Rücken wäre, wenn man öfter die Position wechseln würde.