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– February 21, 2012 at 21:47 pm

Am 19. Februar 2012 stellten Union, FDP, SPD und Grüne als gemeinsamen Kandidaten für die Wahl von Wulffs Nachfolger Joachim Gauck, ehemaliger DDR-Bürgerrechtler, auf.
Die Wahl des neuen Bundespräsidenten soll am 18. März 2012 stattfinden. Interimistisch nimmt der derzeit amtierende Bundesratspräsident Horst Seehofer die Amtsbefugnisse des Bundespräsidenten als dessen Vertreter in vollem Umfang vorübergehend wahr.

Am 17. Februar 2012 trat Christian Wulff mit sofortiger Wirkung zurück. Er war der zehnte Bundespräsident, das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Christian Wulff trat vorzeitig, nach nur 20 Monaten Amtszeit im Zuge einer Kredit- und Medienaffäre zurück, welche Mitte Dezember 2011 mit einer Veröffentlichung in der BILD begann und mit immer wieder neu aufflammenden Verdachtsfällen kein Ende nehmen wollte. Nachdem am 16. Februar 2012 die Staatsanwaltschaft Hannover einen Antrag auf Aufhebung seiner Immunität gestellt hatte, folgte ein Tag danach Wulffs Rücktritt. Die Erklärung zum Rücktritt dauerte etwa vier Minuten und wurde damit begründet, dass ein uneingeschränktes Vertrauen der Bevölkerung, das ein Präsident brauche, nicht mehr da sei.

Als junger Nachfolger von Horst Köhler war Wulff  mit dem Beginn seiner Amtszeit am 30. Juni 2010 ein sehr beliebter Bundespräsident und selbst, als bereits die Schlagzeilen der Medien seit Mitte Dezember 2011 die Runde machten, stand weiterhin ein großer Teil der Bevölkerung hinter ihm.

Doch je mehr ans Tageslicht kam und je mehr sich Wulff einer Erklärung entzog, reagierten die Bürger ungnädig. Dass der Zeitpunkt der Rücktritts dringend fällig wurde, zeigten die “Stimmen”, die überall zu hören und zu lesen waren. Die Situation wurde nahezu unerträglich, als  das erste Oberhaupt Deutschlands öffentlich als “Schnorrer” und Schnäppchenjäger bezeichnet wurde. Enthemmte Reaktionen seitens Politiker und auch der Medien überschlugen sich förmlich. Die Generalsekretärin der Sozialdemokraten, Nahles, nannte Wulff einen Pinocchio, ihr Parteichef Gabriel sprach von der «Type im Bundespräsidialamt». Enthemmte Leserbriefschreiber warfen sich in Pose. Auf den Sozialen Medien fiel jegliche Schranke bei der Beurteilung des Bundespräsidenten.

Mit “wulffen” hat sich in unserem Wortschatz bereits ein neues Verb eingeschlichen: Zum einen steht es für das Vollreden eines Anrufbeantworters, zum anderen dafür, dass man nicht direkt die Wahrheit sagt, aber gleichzeitig nicht als Lügner dastehen möchte. Karl Lauterbach umschrieb in einer Dikussionsrunde den Begriff des “Wulffens” als eine Handlung, in welcher man etwas nimmt, wofür man nicht bezahlt hat. Ein Schokoriegel, der als “Giveaway” daliegt und unbezahlt verzehrt wird, ist demnach “gewulfft”.

In der Zeit bis ein neuer Bundespräsident gewählt ist, nimmt der Präsident des Deutschen Bundesrats die Befugnisse des Bundespräsidenten wahr, das ist derzeit der Ministerpräsident des Freistaats Bayern, Horst Seehofer.

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