UNwortDesJahres2012

Verunglimpfend, stark negativ, sachlich grob unangemessen – ja möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzend – die jährlich stattfindende Aktion »Unwort des Jahres« fordert alle BürgerInnen des Landes auf, solch ein Wort zu nennen. Das das diesjährige Wort wurde im Herbst 2012 mehrmals von Jörg Kachelmann in Interviews verwendet. “Opfer-Abo” sollte dabei ausdrücken, dass Frauen in unserer Gesellschaft über das Einnehmen der Opferolle ihre Interessen in Form von Falschbeschuldigungen durchsetzen könnten.

Dies ist eine ungeheuerliche Unterstellung, denn «Das Wort „Opfer-Abo“ stellt in diesem Zusammenhang Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden und somit selbst Täterinnen zu sein.»

Mit der Wahl dieses Wortes kritisiert die Jury einen Wortgebrauch, «der gängige Vorurteile in Bezug auf eine Vortäuschung von Vergewaltigungen oder eine Mitschuld der Frauen bestätigt. Ausdrücke dieser Art drohen letztlich den zivilgesellschaft-lichen und juristischen Umgang mit sexueller Gewalt in bedenklicher Weise zu beeinflussen.»

Diese, wie man sie so schön nennt, “sprachlichen Missgriffe” werden seit 1991 von einer unabhängigen Jury gesammelt und nach einem Verfahren der Unwort-Wahl ausgewählt. Alle BürgerInnen können Vorschläge aus den Bereichen der öffentlichen Kommunikation, Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Technik, Wissenschaft, Kulturinstitutionen oder Medien, nennen.

Sinn und Zweck der Aktion »Unwort des Jahres« ist an und für sich, dass solche sprachlichen Entgleisungen vermieden werden sollen. Positiv formuliert – laut Auszug der Satzung will die Aktion »Unwort des Jahres« für mehr sachliche Angemessenheit und Humanität im öffentlichen Sprachgebrauch werben. Beziehungsweise -wiederum negativ- soll der deutlichste sprachliche Mißgiff, also das jeweils jährlich gewählte »Unwort des Jahres« öffentlich gerügt werden. Ebenso in die Kritik geraten auch weitere Wörter und Formulierungen.

Mir persönlich ist während meiner Studienzeit an der Universität das Wort «Tussi-Bonus» aufgestoßen. Dieser Begriff unterstellte apriori jeder Studentin die nicht gerade häßlich war, dass sie nur aufgrund ihres Aussehens oder ihres Sexappeals bei den Professoren gute Zensuren bekam. Ich empfand dies als sehr diffamierend, zumal die Realität ganz anders aussah: Ganz besonders die StudentInnen wurden sehr streng geprüft und es gab einige mündliche Prüfungen, in welchen die weiblichen Kandidaten weitaus strenger und intensiver in die Mangel genommen wurden. Gute Zensuren waren in der Tat das Ergebnis intensiver und schweißtreibener Vorbereitung und eben nicht so, wie MANN es den weiblichen Absolventinnen unterstellen wollte.