Die Glaubwürdigkeit der Sozialisten, allen voran François Hollande, ist gegen Null gesunken. Ein Anflug von Revolte liegt in der Luft – sobald die Regierung Beschlüsse durchsetzen möchte, rollt eine Protestwelle durch das Land. Die unlängst erfolgte Demonstration der Unternehmer gegen eine Abgabenerhöhung auf ihre Profite zeigte Wirkung – nach wenigen Tagen nahm die Regierung  ihre Maßnahmen wieder zurück. Auch die Einführung einer Ökosteuer erlitt eine unsanfte Bauchlandung: Kaum formuliert, gingen die Bauern und LKW-Fahrer in der Bretagne mit roten Jakobinermützen gegen die Ökosteuer auf die Barrikaden und lieferten sich mit der Polizei  Straßenschlachten, worauf das Gesetz gekippt wurde. Die Durchsetzungskraft der Sozialisten schwindet; der Präsident erweist sich als schwach und antriebslos.

Inzwischen laufen nicht nur Prominente aufgrund der Reichensteuer davon, nun sind es die Profifußballer, die mit Streik drohen. Wenn die Reichensteuer bestehen bleibt, soll es Ende November in den obersten beiden Ligen keine Punktspiele mehr geben. Es geht um die Profite, also die Millioneneinnahmen der Fußballstars und um deren Besteuerung. Ein echtes Patt für Hollande, denn wenn er hart bliebe, würde der Streik der Fußballer Millionen von Fans empören, macht er einen Rückzieher und räumt den Fußballprofis Privilegien ein, wird er immer unglaubwürdiger.

Die „Grande Nation“ hat abgewirtschaftet: Lag die Staatsverschuldung 2007 noch bei 64 Prozent der BIP, soll sie bis Ende 2013 auf 92,7 Prozent steigen. Vor einem Jahr erfolgte das Downgrading durch Moody’s. Und die Arbeitslosigkeit Frankreichs befindet sich auf neuem Höchststand. Die Menschen sind verunsichert, das Wachstum ist noch immer nicht spürbar, doch Steuern und Abgaben sind kräftig gestiegen – auch und gerade für Normalverdiener. Ökonomen und Soziologen warnen bereits vor einem Steuerstreik.

Der Kraft seines Amtes stärktste Mann des französischen Staates hat nach 17 Monaten seiner Amtszeit von fünf Jahren seine Autorität fast völlig eingebüßt.