Exporte-DDeutschlands «blutleeres» Binnenwachstum, so werden die anhaltend hohen Exportüberschüsse in den Medien bezeichnet. Nachdem Ende Oktober von Seiten Übersee eine harsche amerikanische Kritik in Sachen beständig hohe Exportüberschüsse von Deutschlands Wirtschaft geäußert wurde, schlägt der IWF nun kaum eine Woche danach in dieselbe Kerbe. Der IWF Vize-Chef fordert gemäß SPIEGEL-Informationen sogar eine konkrete Obergrenze für die Überschüsse der Bundesrepublik.

Mit dieser Exportabhängigkeit würde Deutschland sowohl die Stabilität in Europa als auch die globale Wirtschaft gefährden und die Euro-Schuldenkrise würde auf diese Weise künstlich in die Länge gezogen werden, so der Tenor eines 25-seitigen Berichts des US-Finanzministeriums für den Kongress mit dem Titel «Report to Congress on International Economic and Exchange Rate Policies» vom 30. Oktober 2013, der dann damit Stein des Anstoßes wurde.

Deutschland wird darin vorgeworfen als Exportland die gesamte EU mit seinem Rekordhandelsüberschuss zu belasten. Des Weiteren habe Deutschland während der Euro-Krise einen viel zu großen Handelsüberschuss angehäuft. Und im Jahre 2012 sei dieser Überschuss sogar größer gewesen als der Chinas. Im Ergebnis bedeutet dies deflationierende Wirkungen auf den gesamten Euroraum sowie der Weltwirtschaft. Wörtlich ist auf Seite drei folgendes zu lesen:

 Within the euro area, countries with large and persistent surpluses need to take action to boost domestic demand growth and shrink their surpluses. Germany has maintained a large current account surplus throughout the euro area financial crisis, and in 2012, Germany’s nominal current account surplus was larger than that of China. Germany’s anemic pace of domestic demand growth and dependence on exports have hampered rebalancing at a time when many other euro-area countries have been under severe pressure to curb demand and compress imports in order to promote adjustment. The net result has been a deflationary bias for the euro area, as well as for the world economy.

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Der Vorwurf und die Kritik der USA, die Weltwirtschaft zu gefährden wiegt schwer, doch sind gerade die Vereingigten Staaten alles andere als in der Position, solch eine Kritik zu äußern, denn «schließlich habe das Land mit seinem “Gerangel des Weißen Hauses mit dem Kongress” gerade erst selbst die Weltwirtschaft gefährdet

Die Reaktionen auf die amerikanische Kritik waren unterschiedlich; bei der Union stieß sie auf Unverständnis, die CSU-Politikerin Ilse Aigner betonte, dass die hohe Exportfähigkeit auch für viele Arbeitsplätze wichtig sei, wörtlich «Wir sind ein starkes Exportland schon immer gewesen und stolz darauf». Dass Verbände kein Verständnis haben, war zu erwarten. Bei der SPD sehen dagegen die Argumente ähnlich aus wie in Washington und man möchte auf jeden Fall die Binnennachfrage in Deutschland stärken. Die Zahlen und Fakten sprechen für sich:

  • Dass die beeindruckenden Exportzahlen Fakt sind, kann im Ifo-Institut nachgelesen werden. Demnach dürfte Deutschland in diesem Jahr erneut einen Rekordhandelsüberschuss von rund 200 Milliarden Euro erzielen. Der Überschuss sei in der ersten Jahrehälfte auf 96 Milliarden Euro gestiegen, einem Anteil von 7,2 Prozent am BIP entspricht (Bruttoinlandsprodukt). Schon in den Jahren 2011 und 2012 hatte Deutschland die höchsten Exportüberschüsse weltweit erzielt.

Bereits seit Jahren blicken Ökonomen mit Skepsis auf die Regierung. Gustav Horn, Direktor des IMK (Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung) hält die US-Kritik gemäß Medien sogar für “absolut gerechtfertigt”. «Deutschland schade sich mit dieser Politik letztlich nur selbst. Ein Großteil der Überschüsse lande über den Kapitalexport im Ausland.» In einem aktuellen Interview in der Wirtschaftswoche spricht Horn über die Euro-Krise und deren Ursache, die unterschiedlichen Inflationsraten der Mitgliedsstaaten der Währungsunion liegt und die ganzen makroökonoischen Zusammenhänge.