Herbstgutachten
Das 84-seitigen Herbstgutachten mit dem Titel „Deutsche Konjunktur stabil – Wachstumspotenziale heben“ wurde mit der Pressemitteilung vom 8. Oktober 2015 publiziert. Auf Seite 83 gibt es ein interessantes Interview »Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2015« SIEBEN FRAGEN AN FERDINAND FICHTNER mit Dr. Ferdinand Fichtner, Leiter der Abteilung Konjunkturpolitik am DIW Berlin.
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(1) Perspektiven für die deutsche Wirtschaft: Die deutsche Wirtschaft befindet sich gemäß Einschätzung in einem verhaltenen Aufschwung mit 1,8 Prozent Wachstum fürs nächste Jahr.

(2) Wesentliche Stützen des Wachstums in Deutschland: Zum einen die Inlandsnachfrage, weil der Konsum sehr kräftig ist. Und zum anderen eine überraschend kräftige Nachfrage nach deutschen Exportgütern.

(3) Auswirkungen der historisch niedrigen Zinsen: Obwohl expansive Rahmenbedingungen durch niedrige Oelpreise und tiefe Zinsen gegeben sind, moderates Wachstum, d.h. eigentlich hätte das Wachstum stärker ausfallen können.

(4) Auswirkungen auf Investionen: Die wirtschaftliche Entwicklung geht mehr zugunsten des Arbeitsmarktes als zugunsten der Investitionen. Allerdings ist beim Wohnungsbau eine deutlich aufwärtsgerichtete Entwicklung sichtbar.

(5) Auswirkungen der hohen Flüchtlingszahl: Die Quantifizierung der Folgen aufgrund der Flüchtlingsmigration ist extrem schwer. Annahmen der Flüchtlingzahlen für 2015 => 900’000 Flüchtlinge, für 2016 => 600’000 Flüchtlinge. Auf diesen Zahlen gerechnet ergäbe dies zusätzliche Ausgaben von gut zehn Milliarden Euro, die der Staat wegen der Flüchtlinge hat. Das ist ein Viertelprozentpunkt vom Bruttoinlandsprodukt, ein spürbarer Impuls. (S.54ff.)

(6) Belastung der öffentlichen Haushalte, die ja zuletzt große Überschüsse aufwiesen: Es gibt immer noch sehr solide Überschüsse, trotz der Zusatzbelastung durch die Flüchtlinge; dieses Jahr trotzdem noch einen Überschuss von etwa 20 Milliarden Euro, nächstes Jahr sind es knapp 15 Milliarden Euro. Ergo: Die öffentlichen Finanzen können das eigentlich gut wegstecken.

(7) Beurteilung des weltwirtschaftliche Umfeldes durch die Gemeinschaftsdiagnose: Etwas holpriger Verlauf des ersten Halbjahres für die Weltwirtschaft. In Russland und Brasilien wird die Rezession wohl noch anhalten, auch China ist insgesamt ziemlich schwach, insofern gibt es in den Schwellenländern eine ausgesprochen schwache Dynamik. Aus deutscher Sicht wird das durch die kräftige Entwicklung in den USA und Großbritannien, aber auch durch eine kräftige Entwicklung im Euroraum selbst ein wenig kompensiert. In dieser Hinsicht sieht es für die deutschen Exporte eigentlich nicht schlecht aus.

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