Leonard Norman Cohen, kanadischer Singer-Songwriter, Dichter und Schriftsteller.
* 21. September 1934 in Montreal
† 07.  November 2016 in Los Angeles, Kalifornien

Axel Brüggemann hat in seinem Artikel vom 3. November 2016 «HINENI, HINENI!» zu Leonard Cohens letzten Album meines Erachtens die richtigen Worte gefunden, die ich nachfolgend gerne ausschnittsweise zitieren möchte.

juedischeallgemeineEin Abraham des Rocks, der sich für den letzten Weg vorbereitet, mit einem auf Hebräisch dahingehauchten »HINENI, HINENI« und einem reibeisernen »I am ready, my Lord!«.  […] – so hat er uns bereits »Halleluja« oder »If It Be Your Will« gepredigt.  […]  Aber dieses Mal klingt alles irgendwie tiefer, echter, ernster – und endgültiger.


War es eine Vorahnung auf seinen baldigen Tod? Aus der heutigen Perspektive wird ersichtlich, dass sich Leonard Cohen mit “You Want It Darker” von uns versabschiedet sozusagen…

… legt er mit “You Want It Darker” auch die eigene Playlist für die Stunde null vor.

Cohen war mehr als ein Songwriter. Der Dichter und Schriftsteller wurde in eine sehr wohlhabende, einflussreiche jüdische Familie in Westmount, einem Vorort von Montreal, geboren. Und zum Singen kam er erst nach Jahrzehnten, um damit Geld zu verdienen.

Cohen überführte die Literatur in seine Musik: Jeder Song ist ein offenes Statement. Mal zutiefst amourös, mal zutiefst religiös, aber in Alben wie I’ve Seen The Future auch zutiefst politisch – bewusst hat Cohen sich von der daueroptimistischen Spaßgesellschaft verabschiedet und das Melancholische zum Lebensgefühl erhoben.

Cohens Abschiedsstimmung verrät nicht nur der dunkle Sound, sondern auch das Konzept seines neuen Albums. Als Begleitsänger tritt der orthodoxe Synagogenchor Shaar HaShamayim auf, der einst von seinem Vater und Großvater geleitet wurde. Cohen kehrt zurück zu seinen Wurzeln und schließt ganz eigenhändig seinen Lebenskreis. Alles, was jetzt noch kommt, ist eine Zugabe. Er selbst ist bereit.

Das wirklich Berührende ist die Nacktheit, mit der Leonard Cohen, der inzwischen immerhin 82 Jahre zählt, auf seinem neuen Album vor den Herrn tritt: seine Unerschrockenheit, seine Demut, sein melancholischer Fatalismus.

Zitate aus http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/26828