Ein Aufatmen ging wohl gestern Abend durch Europa, als nach zwanzig Uhr die Wahlergebnisse der französischen Präsidentschaftswahl 2017 publiziert wurden: Im zweiten Wahlgang, bei der entscheidenden Stichwahl lag Emmanuel Macron mit 66.1% dann deutlich vor Marine Le Pen, auf deren Front National (FN) nur 33.9% der Stimmen entfielen. Auf der Grafik ist deutlich zu sehen, dass der junge Senkrechtstarter in ALLEN Regionen die Mehrheit erhielt und lediglich bei den Ergebnissen der Départements die beiden Départements Aisne und Pas-de-Calais. bzgl. der Mehrheit an Le Pen abgeben mußte.

Hiermit ist Emmanuel Macron der achte Präsident der Fünften Französischen Republik und mit seinen -noch- 39 Jahren der jüngste Präsident. Im Dezember wird der im Tierkreiszeichen des Schützen Geborene und nicht zu Unrecht als “Rakete” bezeichnete Politiker seinen vierzigsten Geburtstag feiern.

Dennoch: Man muss sich vor Augen halten, dass die Wahlbeteiligung nur bei 75% lag, damit also die 66.1% eigentlich lediglich 49.575% der Wahlberechtigten entsprechen… UND immerhin knapp 11 Millionen Stimmen für Marine Le Pen abgegeben wurden.

Es wird kein einfacher Weg für den parteilosen Macron mit seiner Bewegung «En Marche !» (zu deutsch „Auf dem Vormarsch !“) werden, die konventionelle Parteien hinter sich zu einen. Deutsche Politiker signalisierten in den Medien heute, dass man Macron unterstützen wolle, wie auch immer diese Hilfe aussehen möge.

Und noch etwas.
Wie unentschlossen -oder entschlossen- die Wähler bei ihrer gestrigen Stimmenabgabe waren, kann man nur erahnen. Für viele konservative Wähler war Macron “das kleinere Übel” oder eben das Gegenteil. Viele Wähler waren gspalten. Dies reflektiert u.a. auch das Ergebnis des kleinen Ortes Waldighoffen, in welchem ich bis vor drei Jahren gelebt habe: Im ersten Wahlgang gewann Le Pen zwar auch mit 31.89%, doch entfielen immerhin mit 30.22%  fast genauso viele Stimmen auf François Fillon, (LR) auf den nationalkonservativen Nicolas Dupont-Aignan entfielen 10.43%, Macron erhielt 13.55%. Vermutlich sind die Stimmen von Fillon zu Macron gewandert, doch die nationalistischen Stimmen waren wohl insgesamt in der Mehrheit. Bei der gestrigen Stichwahl gewann dann Le Pen – zwar nur knapp, aber sie erhielt mit 51.47% die Mehrheit vor Macron mit 48.53%.

Waldighofen_Praesidentschaftswahl_2017

Irgendwie ist das schon erstaunlich, vor allem angesichts dessen, dass es sich hier ja um eine Grenzregion handelt. Waldighoffen ist nur knapp 30 Kilometer von der Grenze des Dreiländerecks bzw. der Dreiländerbrücke D-CH-F entfernt. Hier grenzen Basel (Schweiz),  Hüningen (Frankreich) und Weil am Rhein (Deutschland) direkt aneinander. An und für sich sollten die Menschen diesbezüglich pro Europa und nicht nationalistisch stimmen.

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