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Die Fakten: Die Lufthansa wird von ver.di bestreikt. Die Angestellten streiken zu Hause für einen besseren Lohn. Währendessen sind ver.di-Chef  Bsirske und seine Frau mit einem Gratis-First Class Flug der Lufthansa über Frankfurt und Los Angeles in Richtung Südsee aufgebrochen. Schlafsessel, Kaviarmenü und Champagnerservice. Kostenfreie Flüge in der ersten Klasse stehen dem stellvertretenden Vorsitzenden des Lufthansa Aufsichtsrats zu.

Sicher, rein formal ist das alles ganz in Ordnung. Dies wurde schließlich auch sofort seitens Ver.di betont. Dass Bsirske derzeit im Urlaub sei, bestätigte Ver.di-Pressesprecher Harald Reutter gegenüber dem SPIEGEL-ONLINE. Die Nachfrage zur angeblichen Erste-Klasse-Buchung überging er. Zur Tatsache, dass der Gewerkschaftsboss ausgerechnet während des Streiks bei Lufthansa Ferien mache, sei kein außergewöhnlicher Vorgang. “Als Herr Bsirske in den Urlaub fuhr, waren die Verhandlungen zwischen Ver.di und Lufthansa noch nicht abgebrochen”, so Reutter.

Doch wo, bitteschön, bleibt die Ethik und die Moral?
Wären die Zeiten anders, würde dies sicherlich nicht derart pietätlos empfunden werden. Doch die Realität sieht so aus, dass für die einen alles teurer wird, sie kaum mehr ein noch aus wissen, während sich andere in Saus und Braus einen Gratisflug im Wert von 10.000 Euro leisten.

Frank Bsirske wird am 9. November 2000 Vorsitzender der Gewerkschaft ÖTV, die unter seiner maßgeblichen Mitarbeit 2001 in der Gewerkschaft Ver.di (Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft) aufgeht. Rund ein viertel Jahr später (20. März 2001) wird Bsirske Vorsitzender von Ver.di. Des Weiteren ist Bsirske Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat des Energiekonzerns RWE und der Lufthansa AG.

«Wer als Gewerkschaftsvertreter dieses schlechte Bild abgibt, der braucht sich nicht wundern. Dann werden halt Überstunden geschrieben, die es nicht gab, betriebseigene Sachen mitgenommen, die man nicht mitnehmen dürfte, Krank gefeiert, obwohl es nicht sein müsste. Und das alles ohne die geringsten Gewissensbisse, schließlich muss ja jeder sehen, wo er bleibt.»

Stellt sich die Frage, ob ein Vorsitzender in dieser Position derart “in die Vollen langen” sollte oder ob es nicht sinnvoller wäre, dem “kleinen Mann” ein Vorbild zu sein? Solch ein Verhalten, wie es hier praktiziert wurde, ist sicherlich in aller Korrektheit zu rechtfertigen, aber es ist sicherlich ein ganz falsches Signal an unsere Gesellschaft. Nicht alles was legal ist, ist auch legitim!
Die Wogen schlagen hoch – Politiker fordern den Rücktritt Bsirskes.

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