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Konjunkturverlauf

Gemäß volkswirtschaftlicher Definition liegt eine Rezession dann vor, wenn das BIP (Bruttoinlandsprodukt) in zwei Quartalen hintereinander negativ ausgefallen ist, die Wirtschaft also in zwei aufeinander folgenden Quartalen im Vergleich zu den Vorjahresquartalen nicht wächst oder ein Rückgang zu verzeichnen ist. Mit den Zahlen des Statistischen Bundesamtes, welche gestern publiziert wurden, ist es damit amtlich: im zweiten und im dritten Vierteljahr war die Veränderung negativ. ……………………………

Das Frühjahrsgutachten, welches am 17. April diesen Jahres publiziert wurde, sprach damals von einem “robusten” Deutschland im Vergleich zu den USA. Sieben Monate später stellt sich dies ganz anders dar. In Zahlen war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) – preis-, saison- und kalenderbereinigt – im dritten Quartal 2008 um 0,5% niedriger als im zweiten Quartal des Jahres. Das zweite Quartal 2008 wiederum ist um 0,4% im Vergleich zum ersten zurückgegangen, welches mit einem Anstieg von 1,4% doch so vielversprechend begonnen hatte:

Bip-Veraenderung

Ebenso wie in Deutschland befindet sich die gesamte Wirtschaft der Eurozone in einer Rezession. Im Vergleich zum Vorquartal sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal um 0,2 Prozent gefallen, teilte die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Freitag in einer Schnellschätzung mit. Im zweiten Quartal war die Wirtschaft im Euroraum ebenfalls um 0,2 Prozent geschrumpft.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die fünf Wirtschaftsweisen, rechnen für 2009 mit einer Stagnation des deutschen Bruttoinlandsprodukts und empfehlen am 12. November 2008 der Finanzpolitik in Deutschland unter dem Titel « Die Finanzkrise meistern – Wachstumskräfte stärken »:

[…] “eine konjunkturgerechte Wachstumspolitik einzuleiten, die gleichermaßen kurzfristig die Binnennachfrage stimuliert und das Produktionspotenzial erhöht. […] im nächsten Jahr wachstumsfördernde Maßnahmen durch ein temporär höheres Defizit zu finanzieren. Dieses Wachstumspaket sollte in einer Größenordnung von etwa 0,5 vH bis 1 vH des Bruttoinlandsprodukts liegen.

Das DIW (Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung) sieht die ganze wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands gemäß DIW-Konjunkturbarometer nicht so dramatisch

[…] “Trotz der technischen Rezession, die seit der gestrigen Meldung über das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal amtlich ist, befindet sich die deutsche Volkswirtschaft immer noch in einer robusten Verfassung. “Über den Verlauf im Gesamtjahr betrachtet, ist die gegenwärtige Entwicklung eher durch eine Entspannung bei den Kapazitäten als durch eine konjunkturelle Krise gekennzeichnet”, sagte DIW-Konjunkturexperte Stefan Kooths.” […]

Die Rezession an sich
ist nicht das Problem.

Es ist völlig normal, dass es Aufs und Abs in der Konjunktur gibt, genauso, wie bei den Meteorologen auf jedes Hoch ein Tief folgt. Problematisch kann dies allerdings werden, wenn die Medien eine Krise heraufbeschwören, schlechte Aussichten proklamieren und somit durch ihre Publikationen eine allgemeine Unsicherheit erzeugen.

Die Gefahr, dass die Wirtschaft aus der Rezession
in den Teufelskreis einer Deflation stürzen könnte,
wäre durchaus prekärer.

Über die Erwartungen, die sowohl die einzelnen Wirtschaftssubjekte, als auch Unternehmen haben, kann dies in solch einem Szenario durchaus eintreffen:

Denn sobald sich eine Volkswirtschaft in einer Rezession, also im Abschwung eines Konjunkturzyklus befindet, reagieren die Menschen vorsichtig. Ihre gesamten Erwartungen sind pessemistisch. Angst um den künftigen Arbeitsplatz und damit die Erwartung, eines zukünftig geringeren Einkommens führen dazu, dass weniger ausgegeben wird (Konsumstreik) und vermehrte persönliche finanzielle Rücklagen gebildet werden. Der private Konsum sinkt ebenfalls in der Erwartung von fallenden Preisen.

Die Erwartungen der Wirtschaft und damit der einzelnen Unternehmen ist ähnlich, auch sie halten sich zurück. Nur das Nötigste wird gekauft, die Investionen gehen zurück (Investitionszurückhaltung). Damit kommt es zu einem Nachfragerückgang mit der Folge, dass Unternehmen geringere Umsätze und auch Gewinne erwirtschaften. Dies führt im Anfangsstadium zu Rationalisierungen (häufig Entlassungen) und schließlich zur Zahlungsunfähigkeit.

Gesamtwirtschaftlich sinkt nun die Gesamtgüternachfrage bei ungefähr gleich bleibendem Güterangebot (Nachfragelücke). Die niedrigeren Gewinne führen zu investitionsaversem Verhalten der Unternehmen und heizen damit den Teufelskreis weiter an.

Auch der Finanzmarkt ist ebenfalls negativ von der Deflation betroffen, da auch die Kapitalanleger negative Erwartungen haben. Des Weiteren wird das Fallen der Kurse durch die geringeren Gewinne verstärkt.

Seit der Weltwirtschaftskrise hat es bis auf die Deflation in Japan seit den frühen 90er-Jahren keine Deflationen mehr gegeben.